Ann Lowe - eine fast vergessene Künstlerin

Ihr Name sollte uns heute eigentlich allen bekannt sein, denn sie entwarf eines der bekanntesten Hochzeitskleider der Moderne. Leider ist dem nicht so – doch das werden wir heute ändern.

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Ann Cole Lowe wurde als Urenkelin einer Sklavin am 14.12.1898 in Clayton, Alabama geboren. Ihre Mutter und Oma waren beide Näherinnen, die Ann schon früh ihr Handwerk nahebrachten. Schon früh zeigte sich ihr Talent und Ehrgeiz.

Als ihre Mutter starb, arbeitete sie gerade an Ballkleidern für die First Lady von Alabama. Die gerade einmal 16-jährige Ann stellte die Arbeit ihrer Mutter fertig. Sie heiratete sehr jung und bekam einen Sohn namens Arthur Lee. Die Ehe scheiterte allerdings recht schnell, da ihr Mann mit Anns Näherei nicht einverstanden war.

Ein Ann Lowe Kleid, 1966/67 ©Collection of the Smithsonian National Museum of African American History and Culture


Ann ließ ihren Mann also genau dort wo er hingehörte, nämlich hinter sich und ging mit ihrem Sohn nach New York. 1917 begann sie an der S. T. Taylor Designschule eine modische Ausbildung. Aufgrund der damaligen Rassentrennung war ihr Studium nicht gerade leicht, sie wurde getrennt von ihren MitschülerInnen alleine unterrichtet. Allen Hindernissen zum Trotz machte Ann 1919 ihren Abschluss und zog mit ihrem Sohn nach Florida. Nachdem sie dort einen erfolgreichen Modesalon eröffnet hatte, zog es sie aber schnell wieder in den Big Apple.

Ein Ann Lowe Kleid, 1966/67 ©Collection of the Smithsonian National Museum of African American History and Culture

Dort eröffnete sie ebenfalls ein Modegeschäft, welches ein großer Hit wurde. Ihr außerordentlicher Erfolg war aber leider keine Selbstverständlichkeit. Ann Lowe gilt häufig als die erste Woman of Color überhaupt, die mit ihren Entwürfen Geld verdienen konnte. Obwohl das mit dem Geld bei Ann immer so eine Sache war. Ihr Geschäft lief gut, zu ihren Kundinnen gehörten Mitglieder der einflussreichsten und reichsten Familien. Trotzdem war die Designerin meistens pleite. Die reichen Damen kauften zwar stets bei ihr ein, redeten ihr aber aus für die Kleider höhere Preise zu verlangen – was sie aber hätte tun sollen und müssen. Nicht nur die High Society wurde auf die Modeschöpferin aufmerksam, sondern auch die Hollywood Elite. 1946 trug Olivia de Havilland (Wiegenlied für eine Leiche) bei der Oscarverleihung eines ihrer Kleider. Wir wissen das heute, doch die Welt damals wusste es nicht. Denn im Etikett stand der Name Sonia Rosenberg. 1953 sollte Ann Lowes großes Jahr werden. Im September 1953 wollten sich John F. Kennedy und Jacqueline Bouvier das Ja-Wort geben. Das Brautkleid sowie die Kleider der Brautjungfern wurden bei niemand geringerem in Arbeit gegen als bei Ann Lowe. In Jackies Brautkleid steckte eine Menge Geld, ein riesen Haufen Stoff und noch mehr Stunden liebevolle Handarbeit. Noch mehr Details über die Arbeit am Kleid bekommst du hier. Das lief nämlich alles andere als einfach.

Das Ehepaar Kennedy ©Library of Congress

Schlussendlich trat Jackie an diesem Tag mit einem wundervollen, perfekt gearbeiteten Kleid von Ann Lowe vor den Traualtar. Es war eines der größten Society Events überhaupt, über die Hochzeit wurde in allen Einzelheiten berichtet - doch Anns Name blieb in den Berichten unerwähnt. Das Hochzeitskleid wurde unzählige Male kopiert, von wem das Original stammt wusste dabei niemand.

Es hätte Ann Lowes verdienter großer Durchbruch sein sollen, doch es blieb ihr das verwehrt. Leider ließen auch die finanziellen Sorgen nicht nach. Aufgrund von Problemen mit dem Finanzamt verlor sie Anfang der 60er Jahre ihren Shop. Eine anonyme Quelle beglich ihre Schulden beim Amt – der Legende nach Jackie Kennedy. Der anonymen Spende sei Dank, konnte die Designerin wieder arbeitet. Und das tat sie – bis sie 1972 in den wohlverdienten Ruhestand ging. Wenn ihr euch ein paar Bilder von Ann bei der Arbeit und auch dem Hochzeitskleid sehen wollt, könnt ihr das hier. Auch wenn ihr mehr als verdienter großer Durchbruch leider ausblieb, hat Ann Lowe Fantastisches geleistet. Dafür wird sie in der Welt der Mode unvergessen bleiben.