Ein kleiner Denkanstoß

Aktualisiert: 3. März 2021

Wusstet ihr, dass unsere Großmütter ihre Nylonstrümpfe geflickt haben, wenn diese ein Loch hatten? Kaum vorstellbar, in der heutigen Zeit. Man kriegt sie überall für ein paar Cent in minderer Qualität und schmeißt sie weg.

Vor Kurzem erzählte mir eine Freundin, dass sie so richtig ausgemistet hat. Da sie in eine neue Wohnung gezogen ist, schien das logischerweise der perfekte Zeitpunkt dafür zu sein. Ich persönlich bin ja ein richtiger Ausmist-Fanatiker und auch ganz ehrlich großer Fan verschiedener Ausmist-Rituale.

Doch als mir meine Freundin erzählte, was sie mit den Dingen tat, die sie nicht mehr brauchte, war ich sehr schockiert. Sie entsorgte es im Müll. Und ich rede hier nicht von defekten Sachen, sondern von vollkommen intakten Büchern und anderen Dingen.

Dass wir in einer nicht sehr wertschätzenden Gesellschaft leben, was Materielles als auch Lebensmittel angeht, war mir ja schon vorher bewusst. Aber diese Aktion führte es mir nochmal richtig vor Augen.

Ich erinnere mich, als ich ungefähr 13 Jahre alt war, hatte ich zwei Arten von Klassenkameradinnen: Die eine musste sich das Zimmer mit der Tiefkühltruhe teilen, weil in der Wohnung sonst kein Platz war und die anderen bekamen zu ihrem Geburtstag eine komplett neue Zimmereinrichtung von einem namhaften schwedischen Möbelhersteller. Ich wollte das auch. Für mich bedeuteten neue Möbel Abschluss mit meiner Kindheit und eine Eintrittskarte ins Teenageralter. Meine Eltern erfüllten mir diesem Wunsch nicht und so war mein Zimmer weiterhin zusammengestückelt und nicht wirklich modern. Doch im Nachhinein sehe ich, dass mich ein neues Zimmer nicht glücklicher gemacht hätte, und beliebt wäre ich deswegen auch nicht gewesen. Meine Freundin mit der Tiefkühltruhe übrigens auch nicht.

Was ich damit sagen möchte ist, dass wir uns alle viel zu sehr über Besitz definieren und uns zu wenig um unsere Seele und unseren Charakter kümmern. Meine Mutter nennt es Herzensbildung und das trifft es meiner Meinung nach ziemlich gut.

Außerdem schaden wir mit solch einem gelebten Materialismus nicht nur unserem Charakter, sondern auch der Umwelt. Bei Kleidung als auch bei Möbeln sollten wir uns fragen: Wenn ich es nicht mehr brauche, wo kommt es hin? Brauche ich tatsächlich etwas Neues oder kann ich es selbst interessanter machen (Stichwort: Upcycling)?

Wir nutzen für alles unser Smartphone, warum dann nicht einfach Googlen, was man mit den Dingen machen kann?

Bei uns im Dorf gibt es einen Laden, der gebrauchte Kleidung ankauft. Man bringt sie hin, macht einen Preis aus und dann wird sie in den Verkauf gebracht. Man bekommt sogar die Hälfte des Erlöses. Wird sie nicht innerhalb eines gewissen Zeitraumes verkauft, darf man auswählen ob sie direkt gespendet wird oder ob man sie wieder abholen möchte.

Zahlreiche Online-Plattformen und Flohmarkt-Apps auf denen man seine ausrangierten Teile einstellen kann, kennt man ja auch. Häufig ist es einfach nur Faulheit, die einen daran hindert, solche Angebote zu nutzen. Dabei ist es so einfach, schon die Umwelt und ist gut für unseren Geldbeutel.

Aber gehen wir noch einmal ganz zum Anfang: Nachhaltigkeit fängt da an, wo wir einkaufen. Es ist definitiv umweltfreundlicher, Secondhand zu kaufen, oder bei Labels, die regional und nachhaltig sind (z.Bsp. Produktion in Deutschland).

Deswegen empfiehlt es sich, bewusst einzukaufen und sich klar zu machen: Wo kommt die Ware überhaupt her?

Dies lässt sich zusammenfassen in Qualität vor Quantität. Brauchen wir viel minderqualitatives oder lieber wenig qualitativ hochwertiges, dafür aber mit reinem Gewissen und ohne die Umwelt zu verschmutzen und Menschenrechte zu verletzen? Ja, Qualität hat ihren Preis. Aber den Preis, den wir mit einer verschwenderischen Lebensweise zahlen, ist deutlich höher.